Die Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit
Ergebnisse der Deutschen Kohortenstudie zur Frauengesundheit
Die Kohortenstudie zur Frauengesundheit ist noch nicht zu Ende, und doch liegen uns Angaben von 20.000 Frauen vor, die sich im Lauf von fünf Jahren freiwillig zur Teilnahme gemeldet und uns ihre Fragebögen geschickt haben. Nicht zuletzt um diesen interessierten Frauen als Gegenleistung eine Information anzubieten, ist es von großem Interesse, eine Zwischenbilanz aus den Daten dieser sehr großen Untersuchung anzubieten.
Eine der oft gestellten und spannenden Fragen ist, wie häufig es zu Tumoren der weiblichen Organe kommt, und ob es bei dem Auftreten dieser Tumore eine Beziehung zur früheren Nutzung von oralen Kontrazeptiva gibt.
Um solche Auswertungen zu ermöglichen, wurde der noch unvollständige Datensatz mit Abschluss des Jahres 2001 „eingefroren“. Zu diesem Zeitpunkt waren die Angaben über die lebenszeitlichen Einnahmen von Hormonprodukten und Tumorerkrankungen von circa 10.000 Frauen darin enthalten. Die Frauen, die sich an der Studie beteiligt haben, sind durchschnittlich 39 Jahre alt, 18% hatten nie ein OC eingenommen, während 20% zum Zeitpunkt der Befragung ein OC benutzten.
Um festzustellen, ob es eine Beziehung zwischen dem Auftreten einer Erkrankung und oralen Kontrazeptiva gibt, haben wir den früheren Gebrauch oraler Kontrazeptiva unter den Frauen, die angaben, an einem bösartigen oder gutartigen Tumor erkrankt zu sein, mit dem der Frauen verglichen, die keine solche Erkrankung hatten. Mit statistischen Testverfahren wurde ermittelt, ob diese Beziehung signifikant ist, d.h. ob sie dem Arzneimittelgebrauch zuzuschreiben ist.
Bösartige Tumore der Gebärmutter und der Eierstöcke
Insgesamt berichteten 167 Frauen, dass sie einen bösartigen Tumor der Gebärmutter oder des Ovars hatten. Bei dem Vergleich des OC-Gebrauchs der Teilnehmerinnen mit und ohne Tumor stellte sich heraus, dass die frühere Einnahme von oralen Kontrazeptiva mit einem um 50% verringertem Risiko, an einem solchen bösartigen Tumor zu erkranken, vergesellschaftet ist. Dieses war statistisch signifikant, so dass davon auszugehen ist, dass die frühere Einnahme von oralen Kontrazeptiva einen Schutz vor dem späteren Auftreten bösartiger Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane darstellt.
Gutartige Tumore der Gebärmutter und der Eierstöcke
Die Gruppe der gutartigen Tumore umfasst zum Beispiel Myome der Gebärmutter und Ovarialzysten. Von den Teilnehmerinnen gaben 1.676 an, dass bei ihnen eine gutartige Geschwulst vorlag. Auch hier zeigt der Vergleich der Teilnehmerinnen mit und ohne Angabe eines gutartigen Tumors ein statistisch signifikant verringertes Risiko gutartiger Tumore bei früherer OC-Einnahme um etwa 60%.
Brustkrebs
Eine immer wieder gestellte Frage ist, ob die Einnahme von Hormonpräparaten ein Risiko für die Entstehung von Brustkrebs darstellt. Hierzu bietet die wissenschaftliche Literatur unterschiedliche Ergebnisse, so dass dieses Thema durchaus kontrovers diskutiert wird. In einem erweiterten Datensatz von 15.000 Teilnehmerinnen konnten wir in der oben beschriebenen Weise zeigen, dass diejenigen, die früher ein orales Kontrazeptivum eingenommen hatten, ein um 40% verringertes Brustkrebsrisiko hatten. Dieses Ergebnis ist statistisch signifikant und wurde in einem kürzlich erschienenen Bericht einer amerikanischen Untersuchung bestätigt.
Schlussfolgerung
Diese vorläufigen Ergebnisse aus einem Teilbereich unserer Studie zeigen deutlich, wie wichtig es ist, eine Risiko-Nutzen Bilanz bei der Betrachtung von Arzneimittelanwendung anzustellen. Der grundsätzliche Gewinn an Freiheit in der Lebensplanung bei Einnahme eines oralen Kontrazeptivums ist bekannt. Die ebenfalls bekannten, mit einer OC-Einnahme verbundenen Risiken der Venenthrombose müssen selbstverständlich beachtet werden. Neuere Untersuchungen zeigen, dass OCs der neueren Generation mit niedrigem Östrogengehalt kein erhöhtes Herzinfarktrisiko beinhalten. Die jetzige Zwischenauswertung dieser großen Kohortenstudie zeigt ein deutlich niedrigeres Risiko des Auftretens sowohl gutartiger wie auch bösartiger Tumore – einschliesslich Brustkrebs – bei Frauen mit früherer Einnahme von oralen Kontrazeptiva. Insgesamt ist das Risiko fast halbiert. In allen Auswertungen deutet sich an, dass diese Risikoverringerung bei OCs mit niedrigem Östrogengehalt und neueren Progestagenen besonders ausgeprägt ist.
Die hier angeführten Ergebnisse der Deutsche Kohortenstudie zur Frauengesundheit sind teilweise veröffentlicht. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion und zur Entscheidungsfindung in der medizinischen Versorgung.